SwissREI Podiumsdiskussion, Digitalisierung – Warum?

Die Digitalisierung beschäftigt aktuell viele Akteure in der Branche. Entsprechend gross war das Personenaufkommen am achten September beim Swiss Real Estate Podiumsgespräch zum Thema „Digitalisierung der Immobilienbranche: The next level oder warme Luft?“. Reto Lipp führte die Diskussionsrunde rund um Hans-Georg Bächtold (Geschäftsführer, Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein SIA), Axel Konjack (CEO, Homegate AG), Martin Neff (Chefökonom, Raiffeisen Gruppe) und  Dr. Peter Staub (CEO, pom+Consulting AG).

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich grundsätzlich einig, dass die Digitalisierung in sämtlichen Bereichen Einzug halten wird. Die Frage sei lediglich in welchem Tempo und Zeithorizont. In einigen Bereichen wie Vermarktung oder Bewirtschaftung wird die Transformation schneller stattfinden, in anderen Bereichen dürfte es etwas länger gehen (Beispiel des 3D Drucker im Bauwesen). Unternehmen die morgen erfolgreich bestehen möchten, seien gut beraten sich heute darauf vorzubereiten (siehe auch Digitalisierung wird zur Überlebensfrage).  Einzig Martin Neff rief dazu auf, nicht in Aktionismus zu verfallen und abzuwarten, welche Lösungen und Anbieter sich etablieren werden. Er sieht keinen Grund bei der Digitalisierung die Rolle eines Early Movers einzunehmen. Einen in unseren Augen verwerflichen Rat (siehe auch Digitalisierung – aber wie?)

Als Argument die Etablierung von Angeboten abzuwarten führte Martin Neff  die Marke Nokia (in Bezug auf Handys) und Netscape auf, welche nach anfänglicher Leaderposition ihre Marktstellung verloren. Dies ist in unseren Augen jedoch kein Argument sich einer Technologieentwicklung zu verschliessen. Der Marktvorsprung durch eine frühe Implementierung wie auch der Erfahrungsvorsprung überwiegt bei weitem den allfälligen Aufwand eines späteren Wechsel des Technologieanbieter (oder haben Sie auf Netscape verzichtet und auf Firefox gewartet? Wird Firefox wiederum noch eine relevante Rolle in ein paar Jahren haben?)

Beim Thema 3D Drucker im Bauwesen behauptete jedoch selbst Martin Neff, dass innovative Architekten diesen für sich entdecken und sich so First-Mover- und entsprechende Marktvorteile verschaffen können. Warum soll das nicht für alle Bereiche gelten? Hätte Raiffeisen zum Beispiel im Bereich der Immobilien Suchportale bereits vor vielen Jahren RaiffeisenCasa  lanciert, wäre das Potential intakt gewesen die Stellung eines führenden Marktplayers einzunehmen. Bei der Lancierung vor einigen Monaten konnte der Angebotsrückstand druch den Schulterschluss mit Homegate zwar wettgemacht werden, jedoch nicht der Marktrückstand.

Filmbeitrag zum SwissRei Anlass