5 Thesen zur Immobilienverwaltung der Zukunft

5 Thesen zur Immobilienverwaltung der Zukunft

Wie wird die Immobilienverwaltung künftig aussehen? Wir wagen ein paar Thesen – denn als Startup, das bereits seit 2016 mit digitalen Lösungen am Markt ist und etablierte Immobilienunternehmen bei der Digitalisierung unterstützt – haben wir einige Erfahrungen in der Immobilienbranche gemacht und möchten diese teilen.

Angela Bortenschlager , 29. Juni 2023

1. An der Digitalisierung kommt niemand vorbei.

Es wird digitalisiert werden, wo immer es möglich ist. Etablierte Immobilienunternehmen werden hier zunehmend ihre gesamte Wertschöpfungskette betrachten. Unbestritten sind Vorteile wie Effizienzsteigerung durch automatisierte Prozesse, die Gewährleistung von Transparenz in Hinblick auf Daten oder etwa eine Vereinfachung der Zusammenarbeit. PropTech-Lösungen gibt es mittlerweile schon fast wie Sand am Meer – und weitere u.a. im Bereich AI sind zu erwarten. Aber nicht alle werden überleben, viele werden konsolidieren und einige werden für die Immobilienbranche unverzichtbar. Das heisst aber nicht, dass man als Immobilienfirma seine eigenen Hausaufgaben vergessen darf. Ein schlechter Prozess bleibt bekanntlich auch mit Digitalisierung ein schlechter Prozess.
 
Neben der Resilienz des Geschäftsmodells ist grundsätzlich auch eine Beziehung auf Augenhöhe, Basis für eine erfolgreiche Digitalisierung  – das alte Spiel «David und Goliath». PropTechs mit einer nachhaltig guten Lösung sollten nicht mehr als Bittsteller und «Gratis-Dienstleister» auftreten müssen, auch wenn sie durchaus von der Erfahrung etablierter Unternehmen profitieren. Und institutionelle Immobilienunternehmen sollten bereit sein einen fairen Preis zu bezahlen und auch etwas Nachsicht haben, wenn die innovative Lösung noch nicht gleich ganz ohne «Bugs» zur Verfügung steht. Diese Startups haben weder die personellen Ressourcen noch die finanzielle Power wie etwa grosse Software-Anbieter – deshalb ist es nicht verwunderlich, dass diese Lösungen auch nicht die gleichen umfassenden Funktionalitäten bieten können wie etwa jene Produkte von Konzernen. Dafür haben diese kleinen Teams aber umso mehr Leidenschaft für «ihr Baby» und jede Menge Anpassungsflexibilität in Hinblick auf Kundenwünsche.

2. Kommunikation ist alles – auch zwischen den Systemen.

Es arbeiten heute schon viele der grossen Player mit digitalen Lösungen. Zu den «must haves» werden aus unserer Sicht auch immer mehr – bis heute – «nice to have»-Lösungen nachgefragt werden und PropTech-Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette zum Einsatz kommen (Bauwesen, Vermarktung & Visualisierung, Finanzen & Investment, Verwaltung & Bewirtschaftung, etc.). Die zunehmende Anzahl von Tools macht die Systemlandschaft eines Unternehmens zusehends fragmentierter. Wichtig wird in diesem Zusammenhang sein, eine «Silo-Bildung» zu vermeiden, welche die Arbeit noch komplexer anstatt einfacher macht.
 
Essentiell ist, dass die verschiedenen Applikationen perfekt miteinander kommunizieren – etwa das ERP-System mit dem Mieterportal, etc. – und so Daten schnell und effizient zur Verfügung stehen: Stichwort API. Das Thema Schnittstellen ist immer wieder eine Herausforderung für CTO’s – aber für die Eigentümer sind saubere Schnittstellen und somit ein reibungslos funktionierender Datenaustausch von wesentlicher Bedeutung, um am Markt, auch hinsichtlich neuer ESG-Anforderungen, kompetitiv zu sein. CSV-Files genügen dafür nicht – so wie heute noch von manchem Anbieter irreführenderweise als API tituliert. Der Fokus richtet sich auch mehr und mehr auf Registrierungsplattformen – wo eine Vielzahl von digitalen Lösungen unter «einem Hut» zusammengefasst sind.

3. Ohne Change Management wird es schwierig.

Ein wichtiger Aspekt für die Digitalisierung in der Immobilienbranche ist das Mindset – sowohl von Entscheider:innen als auch Mitarbeiter:innen. Bei ersteren geht es darum, zukunftsfähige Entscheidungen zu treffen und strategisch die richtigen Weichen zu stellen. Das erfordert Mut und Risikobereitschaft, und nicht zuletzt auch ein gewisses Investment. Für Mitarbeiter:innen bzw. Bewirtschafter:innen bedeutet es insbesondere bisherige Arbeitsweisen zu hinterfragen, von Altem abzulassen und offen für neue Lösungen zu sein. Pilotprojekte können hier helfen, die Bewirtschaftung an die Innovation heranzuführen und kooperativ zu testen und zu entscheiden.
 
Damit die angestrebten Kosteneinsparungen, Synergien oder Effizienzgewinne wirklich erreicht werden können, benötigt es zudem eine gute Projektleitung und entsprechende personelle Ressourcen. Oftmals sind Änderungen bei den Prozessen nötig, um das volle Potential der Vorteile auszuschöpfen. Und wie so oft ist auch hier eine entsprechende Kommunikation entscheidend, ob eine neue Lösung angenommen wird und neue Wege mitgegangen werden. Neben der Kommunikation von Zielen und Anforderungen, gilt es hier insbesondere die Vorteile der Innovation klar zu kommunizieren – vor allem für jene (skeptischen) Mitarbeitenden die später tagtäglich mit dieser Lösung arbeiten sollen, sodass ein möglicher Widerstand aufgrund eines nicht erkannten Nutzens erst gar nicht aufkommen kann. Für einen nachhaltigen und langfristigen Erfolg braucht es die Bereitschaft und die positive Einstellung des Teams. Es macht schliesslich auch Freude, durch einen digitalen Wettbewerbsvorteil einen neuen Auftrag zu gewinnen oder mit einer smarten Usability auf verschiedenen «Devices» arbeiten zu können.

4. Digital ist «sexy».

Im Zeitalter des Fachkräftemangels wird Employer Branding immer mehr zum Thema – und der Generationenwechsel tut sein Übriges. Was heisst das für die Arbeitgeber? Mit «Stift und Zettel» wird man wohl nicht die Aufmerksamkeit der Generation Z auf sich ziehen und für qualifizierte Mitarbeiter:innen kann der Grad des digitalisierten Arbeitens ein gewichtiges Entscheidungskriterium sein. Um für Bewerber:innen attraktiv zu bleiben, werden Arbeitgeber sich den geänderten Erwartungen anpassen müssen – etwa mit neuen Formen wie Homeoffice und Workation. Dies ist nur mit entsprechendem Vertrauen und einer digitalen Infrastruktur möglich. Nur durch digitale Tools ist es zudem möglich ein Team ortsunabhängig zu erweitern und somit von unterschiedlichen Perspektiven und Kenntnissen zu profitieren.
Aber auch in der Immobilienbranche könnte sich das Stellenprofil der klassischen Bewirtschafter:in wohl in Zukunft etwas ändern. Durch die aufgrund der digitalen Anwendungen gewonnenen Zeit steht diese für andere Tätigkeiten zur Verfügung – für qualitative Gespräche, strategischere Überlegungen und sich zukünftig neu ergebende Aufgaben. Dieses «job enrichment» könnte das Berufsbild somit nachhaltig attraktiver machen.

5. Daten sind das neue Gold.

Der «schöne Nebeneffekt» an der Technisierung der Immobilienbranche ist, dass jede Menge objekt- und personenbezogene Daten zur Verfügung stehen – zumindest theoretisch. Sie zu strukturieren, auszuwerten und intelligent zu verknüpfen ist eine andere Sache. Nur wer diese Daten nutzen und letztlich gewinnbringend einsetzen kann, wird sich in diesem neuen Umfeld erfolgreich positionieren können. Eigentümer haben zunehmend Interesse an diesen Daten – als Grundlage für fundierte Entscheidungen, für die Entwicklung von Reportings oder für die Umsetzung von ESG-Vorgaben. Und es sind wieder die PropTechs, welche hier schlaue Lösungen entwickeln – etwa um der drohenden Wohnungsnot entgegenzuwirken. Gemeinsam mit der HSLU und dem Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) hat beispielsweise emonitor ein Radar entwickelt, wo u.a. ersichtlich ist welcher Wohnungstyp wo gefragt ist. Dies hilft den Eigentümern richtig zu bauen und den Mietern schneller eine passende Wohnung zu finden.
 
Wenn Daten aus allen immobilienrelevanten Ebenen systematisch zusammengeführt werden, können hier ganz neue Ansätze für Vermietung, Verkauf und Bewirtschaftung entstehen. Immobiliendienstleister, die durch Daten nutzerorientiert ihre Leistungen bereitstellen, sorgen nicht nur für zufriedene Mieter:innen, sondern können sich gegenüber den Immobilieneigentümern auch als renditeoptimierende Partner:innen etablieren. Daten werden künftig ein wesentlicher Bestandteil der Geschäftsgrundlage sein – und somit der Anspruch auf den «Besitz» der Daten zunehmend zum Thema werden.  

Dieser Blogbeitrag wurde im Zuge der Blogparade von Fairwalter zum Thema «Immobilienverwaltung der Zukunft» geschrieben.

Angela ist bei emonitor für den Bereich Partner Management verantwortlich. Zu ihrem Aufgabengebiet gehören unter anderem die Leitung und Umsetzung entsprechender Projekte sowie der Auf- und Ausbau von strategischen Partnerschaften.  

Die gebürtige Österreicherin schreibt in ihrer Freizeit auch noch leidenschaftlich gerne, reist viel und liebt und lebt das Thema Wohnen und Interior Design. 

Angela Bortenschlager

Senior Manager Business Development & Partner Management, emonitor AG

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