Die Zukunft der Schweizer Gebäudelabel

GEAK, Minergie, SNBS & 2000-Watt-Gesellschaft

Die Zukunft der Schweizer Gebäudelabel

GEAK, Minergie, SNBS & 2000-Watt-Gesellschaft

Weniger «Labelsalat», mehr «Labelfamilie» verspricht das Bundesamt für Energie (BFE) sowie die Schweizer Trägerorganisationen bei den verschiedenen Gebäude-Label und -Zertifizierungen. Hier ein Überblick, was uns ab dem 1. Januar 2024 erwartet.

Mathias Rinka , 13. Juli 2023

Das Ziel des Bundes und von Partnerorganisationen ist klar: mehr Klimaschutz, mehr Energieeffizienz und mehr Nachhaltigkeit für Gebäude und Areale in der Schweiz. Beteiligte Vereine, Organisationen und das BFE hatten sich im März 2022 darüber verständigt, die Zertifikate- und Labellandschaft in der Schweizer Immobilienwelt klarer zu positionieren. Mittlerweile steht auch fest, wie dies gelingen soll: Das bisherige Zertifikat für 2000-Watt-Areale wird neu durch das Minergie-Areal und das SNBS-Areal abgelöst. Damit stehen ab 2024 nur noch zwei Label für Gebäude und Areale plus der Gebäudeausweis der Kantone (GEAK) zur Verfügung.

Gebäudelabel Schweiz emonitor

Die Schweizer Gebäudelabel ab dem 1. Januar 2024 auf einen Blick.

«Einheitliche Grundlagen für Energie- und Klimaberechnungen, strengere Anforderungen beim Minergie-Label und ein einfacherer Zertifizierungsprozess: Die Trägerorganisationen und das Bundesamt für Energie haben die Schweizer Gebäude-Label neugestaltet und harmonisiert», schreibt das BFE in seiner Medien-Mitteilung vom 1. Juni 2023. Das heisst konkret: Die Basis für die Berechnung des Energieverbrauchs und der Umwelt-Emissionen werden vereinheitlicht. Dies betrifft konkret den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen beim Gebäudebetrieb. Neu basieren alle Berechnungsmethoden auf der Normierung des GEAK, der seit Anfang 2023 auch eine dritte Skala zu den direkten CO2-Emissionen hat.

Verschärfung der Minergie-Standards

Ab Herbst 2023 werden darüber hinaus die bis anhin bestehenden Minergie-Standards wesentlich verschärft. Dies betrifft vor allem die Bereiche Eigenstromproduktion, Treibhausgasemissionen beim Bau, Heizwärmebedarf und Wärmeschutz im Sommer. Das Ziel: «Die Gebäude verbrauchen so insgesamt weniger Energie und werden zukunftstauglicher bezüglich Hitzeschutz», schreibt das BFE. Der ECO-Zusatz beim Minergie-Label hingegen wird vereinfacht und greift neben Gesundheitsthemen neu Aspekte u.a. aus der Kreislaufwirtschaft auf.

Die beiden Label Minergie-Areal und SNBS-Areal, die das 2000-Watt-Areal-Label ersetzen, unterscheiden sich analog zu den Standards für Einzelgebäude. Das Minergie-Areal zeichnet künftig Areale aus, deren Einzelgebäude den Minergie-Standard erfüllen und darüber hinaus den Aussenraum, die Organisation sowie die Mobilität berücksichtigen. Zudem werde der Erhalt von Bestandesbauten honoriert, heisst es, und auch Kompensationen zwischen den Gebäuden seien möglich.

Zentrale Label-Plattform geplant

Alle Zertifizierungsanträge können ab dem Herbst 2023 auf einer zentralen Label-Plattform erfasst und eingereicht werden. «So lassen sich die unterschiedlichen Label bereits bei der Antragsstellung vergleichen, und auch Mehrfachzertifizierungen sind möglich. Der Aufwand für die Zertifizierung sinkt dadurch für Antragstellende und Zertifizierungsstellen. Für Bauherrschaften und Planende bedeuten die Harmonisierungen eine Vereinfachung. Die Übersicht über die laufenden Zertifizierungen wird besser», schreibt das BFE.

Einzige Betriebsorganisation, bei der die Fäden für Zertifizierung, Qualitätssicherung, Kommunikation und Weiterbildung der Schweizer Gebäudelabel zusammenlaufen ist der Verein Minergie. Gemäss Bundesamt wird damit «ein selbsttragender Betrieb aller Label ermöglicht». Die regelmässige Abstimmung im übergeordneten Koordinationsgremium erlaube es zudem, mit einer gemeinsamen Strategie den Beitrag zu den Zielen der Energie- und Klimapolitik der Schweiz sowie zur Strategie Nachhaltige Entwicklung gezielt und koordiniert weiter voranzutreiben.

Der Gebäudeenergieausweis der Kantone GEAK, die Minergie-Standards und der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) sind und bleiben indes eigenständige Label. Sie werden vom Bund und den Schweizer Kantonen respektive der Wirtschaft getragen.

Schweizer Gebäudelabellandschaft

Grafische Übersicht der verschiedenen Schweizer Gebäude- und Areal-Label ab 2024.

Neu ist darüber hinaus, dass die Auszeichnung SNBS-Hochbau in Zukunft nur noch 35 statt wie bis anhin 45 Kriterien umfasst. Es werden aber auch weiterhin alle Bereiche der Nachhaltigkeit (Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt) berücksichtigt, wie beispielsweise die Architektur und das Mitspracherecht der betroffenen Anspruchsgruppen. Bei dem neuen Label SNBS-Areal werde insbesondere auf die Nachhaltigkeit fokussiert. Dabei könnten mit dem Benotungssystem Schwerpunkte in einzelnen Bereichen gesetzt werden, heisst es weiter.

Globale Perspektive für den 2000-Watt-Gedanken

Unterdessen bleibt das Ziel einer «2000-Watt-Gesellschaft» in der Schweiz und ihren Kantonen und Gemeinden weiter verankert. So verfolgt etwa die Stadt Zürich die Strategie, den Energieverbrauch pro Einwohner:in bis im Jahr 2050 auf 2500-Watt als erstes Zwischenziel zu senken. Bereits im 2008 hatten die Stimmberechtigten in der Limmatmetropole sich per Volksabstimmung zur 2000-Watt-Gesellschaft und zur Nachhaltigkeit bekannt und dies in der Gemeindeordnung verankert. Der CO2-Ausstoss soll indes bis 2050 auf eine Tonne pro Person und Jahr reduziert werden.

Und auch über die Grenzen der Schweiz wird der Gedanke der 2000-Watt-Gesellschaft weitergetragen: Die 2000-Watt-Smart Cities Association (2000WSCA) etwa versucht derzeit mittels dreistufigen Zertifizierungsprozess diesen Ansatz global zu verbreiten. Erste Gespräche und Vereinbarungen wurden bereits mit Indien und Indonesien aufgenommen bzw. unterzeichnet. Zudem ging die Schweizer Non-Profit-Organisation im März 2023 mit dem internationalen Immobilienverband FIABCI eine globale Partnerschaft zur Verbreitung des 2000-Watt Smart Cities Association ein. Deren Ziel ist es, «den Wandel von grossen Immobilienprojekten, neuen Stadtquartieren und ganzen Städten im Sinne der 2000-Watt-Gesellschaft durch die Förderung von nachhaltiger, intelligenter und resilienter Stadtplanung und -gestaltung zu unterstützen».

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Wer mehr über die neue Label-Landschaft in der Schweiz erfahren möchte, sollte sich den 13. September 2023 freihalten. An diesem Tag werden in Bern die überarbeiteten bzw. neuen Label SNBS-Hochbau, SNBS-Areal, Minergie 2023, Minergie-ECO und Minergie-Areal offiziell lanciert. Der Anlass wird im Zentrum Paul Klee stattfinden und ist kostenlos. Weitere Informationen dazu hier.

Mathias ist freiberuflicher Journalist und schreibt seit über 20 Jahren bevorzugt über Themen der Immobilienwirtschaft. Für Content hochzwei berät er zudem Unternehmen und Organisationen aus der Immobilienbranche in Sachen Marketing und Kommunikation.

Autor

Mathias Rinka

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